Bielefelder Burg (seit 1879)

Der als "Rittersaal" bezeichnete Festsaal: 29,4 KB

Der als "Ritter­saal" bezeich­nete große Fest­saal im zum Palas umge­bau­ten Haupt­ge­bäude der ehema­li­gen Gefäng­nis­an­stalt. 1914 gelaufene Ansichts­karte.
1879 wurde die ehemalige Burg und Festung vom preußischen Staat an die Stadt Bielefeld verkauft.

Die noch zu Gefängniszeiten begonnene burgenromantische Erneuerung der Anlage wurde nach ihrem Erwerb durch die Stadt weiter fortgesetzt. Nach dem Ende der Nutzung des Wirtschaftsgebäudes als städtisches Gefängnis auf preußisch-staatlichem Boden 1877 wurde das Gebäude 1886 - 1888 zu einem neuen Palas umgebaut. Dieser wurde im neugotischen Stil der Zeit errichtet und enthielt einen als "Rittersaal" bezeichneten großen Festsaal, der sich über zwei Etagen erstreckte.

1907 beauftragte die Stadt ihren Architekten Herzbruch mit archäologischen Erkundungen und Vermessungsarbeiten. Die hier gewonnenen Ergebnisse waren bis zum Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhundert die umfangreichsten und genauesten, die bis dahin vorgenommen worden sind.

Im Zweiten Weltkrieg diente die Burg und Festung als Flak­stellung und die Kase­matten wurden teil­weise als Luft­schutz­bunker genutzt. Anglo­ameri­kanische Bomber zerstörten 1944 alle auf der Festung vorhandenen Gebäude und die Brücke, lediglich der Turm blieb unversehrt. Brücke und Palas wurden nach dem Krieg in ver­änderter Form wieder­aufgebaut, ein Kiosk kam hinzu. Auch sind bis zum Ende der 1980er Jahre die Festungs­mauern wieder verblendet worden. Diese Steine waren bereits Ende des 18. Jahrhunderts zunächst zum Bau des Milser Bleichhauses, vor allem aber dann zum Bau der Garnisonskaserne am Fuße des Burgberges verwendet worden.

Seit 2006 erfährt die Burg und Festung eine Restau­rie­rung vor allem aufgrund von Wasser­schäden. Im Zuge dieser Arbeiten wurden spektakuläre archäologische Entdeckungen gemacht. Einige bleiben dauerhaft sichtbar, ein Teil von diesen ist wiederum zugänglich. Zu den Erstgenannten zählen die freigelegte Gefechtsplattform des Kiekstattrondells, das durch seine Grundmauern sich darstellende Zeughaus, die Mauerbögen am Eingang, von diesem aus gesehen links der Reste des Festungstorhauses. Dessen einzig erhaltener Raum ist durch die Öffnung des nach dem Zweiten Weltkrieg zugemauerten Eingangs wieder zugänglich. Die meisten Räume des Zeughauses können ebenfalls betreten werden. Das Kiekstattrondell ist nur mit Führung zugänglich.

In diesem Zusammenhang erhält die Sparrenburg ein neues Nutzungskonzept, das historische, touristische und Belange des Naturschutzes (Fledermaus­winter­quartier) berücksichtigen soll. Ein neues Besucherzentrum soll als Ausstellungs­gebäude und Kassenraum für Turm und Kasematten errichtet werden. Zunächst sollte es hinter dem Restaurantgebäude an der Südwest­kurtine entstehen. Dieser Standort wurde schließlich auch auf Druck von Archäologen und Historikern verworfen. Nachdem man sich auf den jetzigen Standort in etwa am alten Kiosk verständigt hatte, wurde ein Architekten­wettbewerb ausgeschrieben, der Kiosk abgerissen und es fanden wieder einmal Grabungen statt. Dabei wurde der bislang lediglich vermutete Verlauf der mittelalter­lichen Burgmauer von der Torhaus­ruine hin zum Mauerturm­rest an der Stadtseite des Innenhofes bestätigt.

Die mittelalter­liche Burgmauer blieb während der Festungszeit (ab Mitte des 16. Jahr­hunderts bis Anfang des 18. Jahr­hunderts) in die neue Bebauung sichtbar integriert. Ihren über ein halbes Jahr­tausend bestehenden architek­tonischen Sachverhalt bildet der Sieger­beitrag des Architekten­wettbewerbs aber nicht ab. Entgegen den Beschlüssen des von der Stadt eingesetzten Koordinierungs­kreises Sparrenburg steht das neue Besucher­zentrum in der gleichen wie der alte Kiosk als fremdartig und störend bemängelten Flucht der Verlängerung des Torhauses. Zudem berücksichtigt das neue Besucher­zentrum nicht die Verringerung des als Burghof zur Verfügung stehenden Platzes: an eine großzügige Eingangs- und Aufenthalts­situation für das Besucher­zentrum z. B. vor dem Zugang zum Marienrondell wurde nicht gedacht. Zu diesem vermehrten Besucherstrom gesellen sich weitere Menschen, weil das nur vom Innenhof zugängliche Turmverlies als Ausstellungs­raum genutzt werden wird. Neben den Plätzen für die Gastronomie stehen der Öffentlichkeit Bänke und Tische zur Verfügung. Fraglich scheint mir, ob naheliegende sicherheits­relevante Aspekte überhaupt Eingang in die Planung gefunden haben.

Schlussendlich werden sich die Bielefelder auch damit abfinden müssen, dass die mittelalter­liche Burgtor­haus­ruine vom Innenhof kaum mehr wahrnehmbar sein wird: in Verlängerung der erhaltenen Torhaus­wand ist ein weiteres Fundament gegossen worden, das erwarten lässt, dass das mittelalter­liche Torhaus entgegen seiner Bedeutung durch imitierende bauliche Maßnahmen nicht mehr zur Geltung kommen wird. Auch damit wurde die Vorgabe des Koordinie­rungs­kreises zur Wahrung der historischen Authentizität verletzt.

Es scheint, dass vor allem der aus dem Stadt­jubiläum resultierende Zeitdruck die Verantwort­lichen zu übereilten Entscheidungen getrieben hat, was nicht als Entschuldigung gelten darf. Die Entscheidung für ein Besucher­zentrum ist eine Festlegung wenigstens für Jahrzehnte. Und seit Ende 2013 steht fest, dass das neue Zentrum nicht vor Pfingsten des Jubiläumsjahres eröffnet wird. Eile mit Weile wäre hier auf jeden Fall die bessere Lösung gewesen.